RWTH Aachen FB 2 Architektur

Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung

Forschung


Das Forschungs-Profil des Lehrstuhls für Bildnerische Gestaltung thematisiert Methoden und Werkzeuge kreativen Handelns im Kontext der Architektur. Weil Bauten und Räume einen grundlegenden Einfluss auf das menschliche Leben haben, kann dieser Diskurs nicht losgelöst geführt und auf technische Aspekte reduziert werden. Denn im Mittelpunkt jedes Entwurfs- und Herstellungsprozesses stehen die aktiv gestaltenden und die rezipierenden Menschen, die durch ein Werk, einen Raum, ein Produkt miteinander in Beziehung treten. Ein substantieller Bestandteil unserer Arbeit ist die Exploration und Weiterentwicklung bildnerischer Praktiken und Strategien. Digitale Bildmedien haben einen Quantensprung in der Produktion von Bildern verursacht. Aber neue Medien haben in der Kunst die bestehenden Medien meistens nicht verdrängt, sondern ergänzt. Wir sehen darin eine Chance, Bildfragen immer wieder neu zu diskutieren.

Zur Zeit bearbeiten wir im Rahmen des Verbunsforschungsfeld Context und Form schwerpunktmäßig folgende Forschungshemen:

1 Embodiment

Die Bedeutung manueller Praktiken und die wechselseitigen Verbindungen zwischen bewusstem, intentionalem Denken und vorbewusstem körperlichem Agieren im Kontext des Entwerfens spielt eine zentrale Rolle in unserer Forschung. Die Rolle des Körperlichen, des Händischen, der Interaktion mit dem Material und der sinnlichen Wahrnehmung eröffnet auch neue Aspekte in der Methodendiskussion, denn bildnerische Medien sind nicht nur Werkzeug, sondern auch Impulsgeber in kreativen Prozessen. In vielfältigen, auch fakultätsübergreifenden Kooperationen loten wir dabei die Relevanz und Potentiale der kreativen Artikulation so aus, dass auch Studierende in den spannenden Prozess der Forschung eingebunden sind.

Forschungsmodule:

Virtual Sketching

Personen:

Hannah Groninger, Prof. Thomas Schmitz

Kooperationspartner:

Virtual Reality Group, RWTH Aachen University

SignGes, RWTH Aachen University



2 Farbe

Im Architekturkontext entwickelt das Phänomen Farbe seine Wirkung als Interaktion von Subjekt, Substanz, Raum, Licht und Zeit. Die Erforschung dieses komplexen Wirkungsmechanismus kann zu neuen gestalterischer Strategien für einen Umgang mit Farbe als atmosphärischem, raum-zeitlichem Phänomen führen. Eine phänomenologisch begründete, architekturspezifische Farbentheorie stellt die Farbe als Licht und als Substanz-Phänomen in den Kontext des Räumlichen, des Materials und der Zeit. Im Bereich des Entwerfens eröffnen sich hier neue Kategorien für die Konzeption und Ordnung von Räumen, die über die Möglichkeiten der Geometrie weit hinaus führen.

Seminare:

Labor Farbe

Personen:

Prof. Thomas Schmitz, Anja Neuefeind, Carolin Lange

Kooperationspartner:

Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung, Fakultät Architektur, RWTH Aachen University

Publikationen:

Orte der Farbe (2017)

3 Entwerfen in Bildern

Die Wirkung realer Gebäude basiert nicht nur auf optischen Informationen über ihr Aussehen, sondern auf ihrer Erscheinung, die sich im unmittelbaren körperlichen Erleben entfaltet. Architektur-Bilder müssen das reflektieren. Anders als die erlebte Realität, die jeden Menschen emphatisch berührt, tut dies noch lange nicht jedes Bild. Gerade dann, wenn ein architektonisches Konzept einen phänomenologischen Ansatz verfolgt, brauchen wir neue Formen des Architektur-Bildes. Hybride Techniken und Bildformen ermöglichen individuelle, reagible Praktiken der Bildproduktion, die - abhängig von dem konzeptuellen Ansatz eines Projektes - immer wieder neue Bild-Formen und Deutungen hervorbringen.

Personen:

Prof. Thomas Schmitz, Frieder Scheuermann, Hannah Groninger, Carolin Lange

Publikationen:

Schmitz, T.H., Häußling, Roger, Mareis, Claudia and Groninger, Hannah (2016) Manifestationen im Entwurf design - Architektur - Ingenieurwesen. transcript.

Schmitz, T.H. and Groninger, H. (2012) Werkzeug - Denkzeug: Manuelle Intelligenz und Transmedialität kreativer Prozesse. Bielefeld: transcript.







TAGUNGEN:

Orte der Farbe

ortederfarbe.de

Initiative und Leitung Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Thomas Schmitz, Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung in Kooperation mit Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Uwe Schröder, Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung, Mitarbeit: Dipl. Szen. Anja Neuefeind, Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung; Dipl. Ing. Franziska Kramer, Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung, Fakultät Architektur, RWTH Aachen University

Das zweckhafte Anordnen und Errichten von Orten ist eine zentrale Aufgabe der Architektur. In der wechselseitigen Beziehung zwischen architektonischen Formen und Räumen und den äußeren und inneren Bedingtheiten, unter denen sie wahrgenommen werden, kommt besonders der Farbe als allgegenwärtigem Phänomen eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund ihrer dialektischen Begründung als physikalische Tatsache (Materie und Licht) und als physiologische Erscheinung (als Erlebnisqualität, die das Gehirn generiert), ist ihre rein naturwissenschaftliche Beschreibung ebenso unzulänglich, wie eine rein subjektive Deutung. Das Phänomen Farbe entwickelt eine Wirkung als Interaktion von Subjekt, Materie, Raum, Licht und Zeit unabhängig von seiner Definition und Entstehung. Es existiert kein Ort ohne Farbe – sie wirkt unmittelbar auf die Wahrnehmung und das Befinden des Betrachters ein. Die Erforschung dieses komplexen Wirkungsmechanismus als Grundlage gestalterischer Strategien in allen Bereichen der gesellschaftlichen Umgebung kann, unter Einbeziehung des Subjektiven und unter Berücksichtigung zahlreicher Positionen aus unterschiedlichen Fachgebieten gelingen. Das Vorhaben einer interdisziplinären wissenschaftlichen Tagung „Orte der Farbe“ resultiert aus dieser Überlegung.

Mit einer exemplarischen Auswahl diverser Positionen aus Wissenschaft, Kunst und Architektur verfolgt das Projekt einen enzyklopädischen Ansatz. Das Wissen über Farben und ihre vielfältigen Konnotationen und Wechselwirkungen soll unter dem Gesichtspunkt der für Architektur und Design zentralen Frage der raum-zeitlichen, atmosphärischen Stimmung des Subjektes durch ‚Orte der Farbe‘ neu zusammengeführt werden. ‚Orte’ verstehen wir dabei als spezifische Konstellationen in Raum und Zeit - und zwar in allen Maßstabsbereichen. Aus dieser Zusammenführung eröffnen sich neue Kategorien für die Konzeption und Ordnung von Räumen, die über die Möglichkeiten der Geometrie weit hinaus führen und die der Entwurfsforschung zugeordnet werden können. Nicht zuletzt lassen sich auch fachübergreifende Erkenntnisse für eine architektur-spezifische Farbenlehre gewinnen, die den besonderen Anforderungen eines raum-zeitlichen Umgangs mit Farbe entspricht.

Die Beiträge des Symposiums sowie weitere Beiträge zum Thema werden in Buchform publiziert. Vorraussichtliches Erscheinungsdatum Ende 2016.


MANIFESTATIONEN im Entwurf in Design, Architektur und Ingenieurwesen Tagung vom 10.-12.04.2014

Der interdisziplinäre Workshop “MANIFESTATIONEN IM ENTWURF” im April 2014 war der öffentliche Auftakt der Auseinandersetzung mit Wissensobjekten des Entwurfsprozesses. Die Veranstaltung, gefördert durch die Fritz-Thyssen Stiftung, zielte auf ein Zusammenführen verschiedener Sichtweisen und richtete sich an Disziplinen wie Ingenieurswissenschaft, Architektur, Design in Theorie und Praxis, an Technikhistoriker und Soziologen, sowie Künstler. Tagungsort war die RWTH Aachen University, Fakultät für Architektur. Die Veranstaltung fand in Kooperation der Lehrstühle Bildnerische Gestaltung, Lehrstuhl für Soziologie, Technik- und Organisationssoziologie, dem Lehrstuhl und Institut für Allgemeine Konstruktionstechnik des Maschinenbaus und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main und dem Institut Design- und Kunstforschung, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, Basel, statt.

Programm und Sachbericht als pdf siehe unten

Begrüßung:
Thomas Schmitz (Aachen)
Ernst Schmachtenberg (Aachen)

ReferentInnen:
Wolfgang Schäffner (Berlin)
Jörg Feldhusen und Alexander Brezing (Aachen)
Reinhard Wendler (Zürich)
Nathalie Bredella (Berlin)
Philip Ursprung (Zürich)
EDAS Kirpichev (Moskau)
Tom Pawlofsky (Zürich)
Fabio Colonnese und Marco Carpiceci (Rom)
BeL Bernhardt Leeser (Köln)
Sabine Ammon (Cottbus/Darmstadt)
Jörg Gleiter (Berlin)
Ludger Hovestadt (Zürich)

Podiumsdiskussion
Alexander Bartscher (Aachen)
Roger Häußling (Aachen)
Klaus Willmes von Hinckeldey (Aachen)
Kim Boris Löffler/Bollinger&Grohmann (Frankfurt)
Peter Cachola Schmal/DAM (Frankfurt)
Moderation: Claudia Mareis (Basel)

Fotos der Tagung im Showroom

CUBICPOST
Ausstellung mit Exponaten von AMUNT Architekten, BeL Architekten, Bollinger&Grohmann, BOVEN-BOUN, dform, Designbüro 45Kilo, Dratz&Dratz, EDAS Kirpichev, Institut für Designforschung (ZHdK), Lehrstuhl für Produktionsmanagement (WZL), Tobias Becker, Viktor Gatys, Tom Pawlofsky u.a.

Fotos der Ausstellung im Showroom

Organisation Tagung und Ausstellung:
Prof. Thomas Schmitz und Hannah Groninger
Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung




Werkzeug/Denkzeug - Manuelle Intelligenz und Transmedialität kreativer Prozesse

Thomas H. Schmitz, Hannah Groninger (Hg.)
November 2012, 350 S., kart., 29,80 €
ISBN 978-3-8376-2107-5
Reihe Kultur- und Medientheorie
Werkzeug/Denkzeug im transcript-Verlag

In Zusammenarbeit verschiedener Wissensdisziplinen untersucht der aus der Architekturpraxis initiierte Band die komplexe Interaktion von Hand, Hirn und Werkzeug.

Workshop am Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung, RWTH Aachen 11./12.Februar 2011

Neurologischen Erkenntnissen zufolge steht das Intelligenzvermögen des Geistes in Abhängigkeit zu seinem Körper. Ist der Schlüssel für einen kreativen Prozess demnach physisch begründet, übernehmen also Bewegungen und kinästhetische Empfindungen beim Verarbeiten von Informationen, bei deren Reflexion und gestaltenden Interpretation eine zentrale Rolle? Denken wir mit unserem Körper? Verändern ‚neue Werkzeuge/Medien’ die Inhalte des schöpferischen Prozesses? Der Workshop widmet sich dem wissenschaftlich schwer fassbaren Phänomen kreativer Prozesse und möchte anhand konkreter Fallbeispiele die komplexe Interaktion von Mensch, Produkt und Werkzeug diskutieren. Die Veranstaltung richtet sich neben Disziplinen wie Sprach-, Literatur-, Medienwissenschaften, Philosophie und Technikgeschichte auch an Neurowissenschaftler und Psychologen sowie an Informatiker, Architekten, Ingenieure, Designer und Künstler.


ReferentInnen:
Karin Herrmann / Stefan Wieczorek (Aachen)
Wolfgang Meisenheimer (Düren)
Wim Van den Bergh (Aachen)
Irene Mittelberg (Aachen)
Ludwig Jäger (Köln)
Martin Trautz / Ralf Herkrath (Aachen)
Claudia Schmitz (Köln)
Irmhild Rogalla (Berlin)
Anette Rose (Berlin)
Jan Zappe (Karlsruhe)
Markus F. Peschl (Wien)
Joachim Barthel / Moritz Wittenhagen (Aachen)
Torsten Kuhlen (Aachen)
Ferdinand C. Binkofski (Aachen)
Jochen Müsseler (Aachen)
Martin Grunwald (Leipzig)
Jan Borchers (Aachen)

Veranstalter:

Univ.-Prof. Dipl.Ing.Thomas H.Schmitz (Initiator)
Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Jan Borchers
Prof. Dr. phil. Karin Herrmann
Prof. Irene Mittelberg, Ph.D.
Univ.-Prof. Dr. Klaus Willmes-v. Hinckeldey

Fotos des Workshops im Showroom